Tuedelkram

Über den Sinn und Unsinn des Lebens

Spass mit dem ÖPNV – oder: Sterbt woanders!

Gepostet am 03.02.2010 um 14:11 Uhr | 15 Kommentare Geschrieben von reizzentrum |

Gestern sagte mir ein Kollege „Hast ja selbst schuld, wenn Du dich von dem ÖPNV abhängig machst“. Irgendwo hat er ja schon ein bisschen recht. Mittlerweile vergeht fast kein Tag an dem nicht irgendein Vollhonk mittels Selbstmord oder rumstreunern auf den Gleisen dafür zuständig ist, dass der Bahnverkehr komplett für eine Zeit x „wegen eines Polizeieinsatzes“ zum Erliegen kommt.

Ich hab ja nichts dagegen, dass ihr dem suizidalen Gedenken erliegt – macht ruhig. ABER:

Belastet nicht Andere mit EUREN Problemen ihr Affen!

So langsam geht es mir nämlich echt auf den Keks, wenn – nicht nur ich sondern Tausende darunter leiden, dass – jeden zweiten Tag die S-Bahn für eine halbe Stunde nicht fährt und man sich an irgendeinem Bahnhof den Arsch abfriert. Da bekomme ich nämlich massiv unpazifistische Gedanken.

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Kommentare

15 Kommentare zu “Spass mit dem ÖPNV – oder: Sterbt woanders!”

  1. Benjamin Hummel
    Geschrieben am 03.02.2010 @ 16:35

    Moin!

    Tja, anscheinend hast Du nie das Problem gehabt, das all diese unter Suizidgedanken leidenden Menschen haben, sonst hättest Du – sorry, wenn ich Dich damit persönlich treffen sollte – so einen Scheiß nicht geschrieben.

    Diese Leute, die sich Tag für Tag vor die Bahn werfen, haben zwar ggf. schon mehr als oft ihren Suizid geplant und darunter auch diverse Methoden benutzt, aber sie entscheiden sich größtenteils ad hoc, aus dem Leben zu scheiden.

    Ich habe schon oft mit Personen gesprochen, die in der Psychiatrie waren, unter psychischen Krankheiten und Störungen leiden und dementsprechend auch Freitodgedanken hatten oder sogar haben.
    Und glaub mir: In solch einer suizidalen Krise denkt man wohl kaum an die Konsequenzen der Tat, nein, man ist einfach nur froh, wenn das ganze Leiden ein Ende hat!

    Insofern finde ich Deine Ausführung auf dieser Seite derbst anmaßend und pietätlos!!

    MfG, Ben – der momentan seinen Ironiescanner mit Absicht ausgeschaltet hat.

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  2. reizzentrum
    Geschrieben am 03.02.2010 @ 20:56

    Nein, ich habe keine Menschen um mich herum, die sich aktuell mit Selbstmordgedanken quälen (zumindest nicht das ich wüsste).

    Ich habe aber zwei gute Freunde von mir verloren, die Selbstmord begingen. Beide haben dies aber auf eine Weise getan, die andere eben nicht über Mass beeinträchtigten. Ich gebe hier aber keine Tipps, denn es gibt (fast!)immer (gerade für jüngere Menschen) einen Weg das Leben noch gebacken zu bekommen.

    Und ja, auch der Verlust zweier FREUNDE hat dazu geführt, dass ich in gewisser Weise abgehärtet wurde – und dass ich mir das recht herausnehme auch solche Artikel zu schreiben. Allerdings frage ich mich JETZT gerade, ob er besser ins Reizzentrum denn in den Tüdelkram gepasst hätte.

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  3. Marcus Berger
    Geschrieben am 03.02.2010 @ 22:13

    Hier und auch im Reizzentrum passt dat nicht.
    Meiner Meinung nach ist dat zu oberflächlich gedacht. Bin ich sonst garnüscht gewohnt von „Euch“. Es ist nicht traurig, wenn Dich der Verlust zweier Freunde in gewisser Weise abgehärtet hat. Das ist eher bedenklich! Denk drüber nach…
    MfG Marcus

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  4. reizzentrum
    Geschrieben am 03.02.2010 @ 22:18

    Ich hoffe Du nimmst das jetzt nicht als überheblich, arrogant oder ähnliches, aber jeder ist das Produkt seiner Erfahrungen. Und man kann eben nicht immer einer Meinung sein – wäre schrecklich.

    Ich kann deinen Standpunkt verstehen und nachvollziehen. Aber wenn ich ehrlich bin, habe ich einen anderen Standpunkt – in DIESEM Detail. Besser wäre es NATÜRLICH wenn die betroffenen Menschen gar nicht erst in diese Sackgasse getrieben werden, oder eben aus dieser heraus geleitet.

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  5. Claudia
    Geschrieben am 04.02.2010 @ 00:32

    Ich gratuliere Dir zu Deinem Mut, das auszusprechen, was sicher viele denken. Besonders die, die selbst nicht in einer Depression oder ähnlich bedrückenden Situationen stecken.
    Der Ton war vielleicht ein wenig daneben, doch es stimmt. Eine Depression ist keine Entschuldigung dafür, andere Menschen mit runter zu ziehen. Dabei geht es nur am Rande um die Verspätungen, die Nerven, die das kostet, und die wirtschaftlichen Verluste.
    Wenn ein Mensch sich vor einen Zug wirft, sorgt er dafür, dass andere, die er nicht einmal kennt, sich für seinen Tod verantwortlich fühlen, mit der Tatsache fertig werden müssen, einen Selbstmord mitangesehen zu haben, nicht verhindert zu haben, vollendet zu haben.
    So schlimm die Situation für die Selbstmörder ist, es sollte viel deutlicher in das Bewußtsein aller gelangen, dass Lokführer, Ersthelfer und Augenzeugen durch diese Form des Suizids selbst in schwere psychische Probleme gestoßen werden können.
    Dass die Konsequenzen dieser Tat nicht bedacht werden, kann mir keiner erzählen. Wer einen Suizid erwägt, der erhofft sich ganz bestimmte Konsequenzen daraus, ist also in der Lage die Folgen seiner Tat zu bedenken. Dann bitte auch die Folgen für andere.
    Es gibt Wege, mit dem eigenen Tod niemanden zu traumatisieren. Da bin ich mir sogar sicherer, als in meinem Vertrauen darauf, dass es immer einen Weg gibt weiter zu leben. Für diese Sicherheit kenne ich diese Gefühle zum Glück nicht gut genug.

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  6. Benjamin Hummel
    Geschrieben am 04.02.2010 @ 02:39

    @reizzentrum: Ein Prise Mitleid für den Abgehärteten!

    @Claudia:
    Manche wollen nicht weiterleben und sehen in ihrer Situation auch keinen anderen Ausweg, auch wenn im Grunde alles fürs Leben spricht.
    Und warum sollten sie ohne ein Zeichen zu hinterlassen aus dem Leben treten? Warum sollten sie nicht allen nochmal zeigen, wie Scheiße die anderen ggf. doch waren (Mobbing, soziale Ausgrenzung, Ignoranz, Stigmatisierung)?
    Wen hast Du lieber? Sich-vor-die-Bahn-Werfer oder Amokläufer? Such es Dir aus.

    Mann! Als Bahnführer ist das halt Berufsrisiko. Da weiß jeder, worauf er sich einlässt. Genauso ist das auch beim Polizisten, der vom Gangster erschossen werden könnte.
    Notfalls gibt’s halt Therapie – wird ja schließlich vonner Kasse getragen. Und wenn es nicht anders geht, wirft sich der geplagte Bahnführer auch vor die Bahn. Der Kreis schließt sich. Ist doch was Urkomisches…

    (Sorry, aber nach den Kommentaren kann ich den Sarkasmus nicht mehr zurückhalten!)

    Kurzum: Auf die Suizidgefährdeten nehmen auch nur die Wenigsten Rücksicht – Normalos sind ja sowieso von psychisch Gestörten eher angewidert und halten Abstand.
    Warum sollten Selbstmörder also Rücksicht auf die anderen nehmen?! Aus Nächstenliebe?

    Leute, wir leben nunmal nicht im Paradies, da sind ein paar Minuten Verspätung und hier und da ein Trauma mehr echt kein Ding…

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  7. reizzentrum
    Geschrieben am 04.02.2010 @ 07:28

    @Benjamin Hummel:

    Ich habe HÖCHSTEN Respekt vor Menschen mit psychischen Problem, die dieses erkennen und sich Hilfe suchen. Wenn allerdings Menschen Probleme haben und man denen immer und immer vorbetet sich doch bitte helfen zu lassen und nix passiert, tendiert mein Respekt und Mitleid gegen Null.

    Und „mal ein paar Minuten“ sieht bei mir in den letzten 10 Werktagen so aus, dass ich ca. 4 Stunden meines Leben an arschkalten Bahnhöfen rumstand und jetzt wo ich dies schreibe sogar das Aufkommen einer „Verkühlung“ spüre. Und irgendwas in meinem (queren) Hirn murmelt „Körperverletzung“ ….

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  8. Benjamin Hummel
    Geschrieben am 04.02.2010 @ 09:34

    @reizzentrum:

    Gut, kann sein, dass ich so extrem reagiere, weil ich in den letzten Tagen etwas übermüdet bin, aber es ist halt meine Einstellung – und die wird sich diesbezüglich nicht ändern (ist jedenfalls unwahrscheinlich).

    Ähm, weißt Du, wieviele Menschen sich helfen lassen, sogar in Therapie sind und sich dennoch umbringen?!??
    Also, ich spreche da aus Erfahrung, weil ich viele Freunde, Bekannte und auch Verwandte mit psychischen Problemen, Störungen und Krankheiten habe.
    Einsicht und Therapie, sei es mit Medikamenten oder Gesprächen oder beidem, bewahren NICHT vor Suizid!!

    Klar, ich bin auch genervt, wenn ich mal wieder zu spät zur Arbeit oder einem sonstigen Termin komme. Aber ehrlich gesagt, finde ich es geil, wie manche Menschen uns „anderen“ immer wieder den „Spiegel der Gesellschaft“ vorhalten, auch wenn es sich dabei um einen tragischen, unnötigen Tod eines Menschen handelt.
    Aber diese „Polizeieinsatz“-Aktionen erinnern mich – Gott sei Dank (!) – immer wieder daran, dass es in dieser Gesellschaft Missstände gibt, die solche Leute in den Tod treiben. Denn: Nicht jeder Suizid ist endogen bedingt, d.h., die soziale Situation, in der der Betroffene steckt, scheint für ihn ausweglos. In einer akuten Depression kann sich sowieso keiner umbringen, weil dazu der Antrieb fehlt.
    Viele bringen sich nur aufgrund ihrer sozialen Situation um. Allein in meiner Familie habe ich zwei Freitode zu beklagen.

    Ich habe mich seit nun fast zwei Jahrzehnten privat mit dem Thema Psychiatrie beschäftigt und scheiße auf die Zeit, die ich an Bahnhöfen oder in Zügen warten muss, wenn der Bevölkerung dadurch gezeigt wird, dass hier noch viel zu tun, also viel zu helfen ist!

    Schade nur, dass das immer als „Polizeieinsatz“ vertuscht wird und so gut wie nie in die Medien kommt – so kann man die Wahrheit auch verdrängen…

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  9. reizzentrum
    Geschrieben am 04.02.2010 @ 09:46

    @Benjamin Hummel:

    Suizid auf Bahngleisen wird nicht „vertuscht“ sondern gezielt (Absprache Behörden & Medien) nicht thematisiert um Nachahmer eben NICHT zu motivieren.

    Wenn Du aber sagtst, dass all die Anstrengungen in Therapie & anderer Hilfe nicht hilfreich sind, wo siehst Du dann einen Weg? Ein Freund von mir brachte sich um, weil er von seiner Freundin verlassen wurde – er führte ansonsten ein SEHR erfolgreiches und „leichtes“ Leben. Wie hätte man ihm helfen können?

    Ausserdem hätte ich den Artikel sicher nicht geschrieben, wenn es ein oder zwei Vorfälle gegeben hätte. Wenn es aber jeden zweiten Tag zu einem „Polizeieinsatz“ kommt, dann wird man irgendwann ein wenig „dünnhäutig“.

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  10. Timur Ü.
    Geschrieben am 04.02.2010 @ 11:13

    Ich weiss ja das liebe oft brenzlich sein kann, aber tödlich. Dein einer Freund MUSS zusätzliche defiziete gehabt haben.

    Fazit: Tod ist tod, egal wieviele Menschen drunter leiden müssen. Für die einen ist es kostbare Zeit für die anderen ist es ein kostbares leben das draufgeht. Jeder ist egoistisch. Warum sollten sich die suizidgefährdeten Gedanken um andere machen, wenn sich die anderen keine gedanken um die Suizidgefährdeten machen.
    Der Egoismus.

    Das Thema sollte eigentlich Egoismus heissen.
    schafft den Egoismus weg und wir sind frei aller probleme.

    Ps. Benny gib halt nicht immer überall dein Nachnamen an!

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  11. Benjamin Hummel
    Geschrieben am 04.02.2010 @ 11:33

    Nur mal so am Rande:
    Ich schreibe aufgrund des besseren Leseflusses grundsätzlich in der maskulinen Form (z.B. „alle SelbstmörderInnen…“ usw. sähe einfach blöd aus).

    @reizzentrum:

    EVENTUELLE Abhilfe:
    Demjenigen zeigen, dass er gebraucht wird, dass er Zukunft HAT, dass man ihn vermissen würde, was er einem damit antäte, wenn er es tut.
    Ich sage mir immer, um mich zu motivieren, wenn ich mal in misslicher Stimmung sein sollte:
    „Hey, ich will wissen, wie der Scheiß hier endet!“
    Und so mache ich weiter. Ist ein recht gutes Rezept. Mir hilft es jedenfalls, meine Neugierde auf kommende Zeiten zu richten. 🙂

    Und reizzentrum, ich habe nichts gegen Dich. Es ist nur so, dass wir halt verschiedene Meinungen haben.
    Also: Ein Hoch auf die Meinungsfreiheit! 😉

    Ja, es ist nervig, wenn man wieder mal völlig aus dem Terminplan gerissen wird – aber ich finde, gerade diese Wechselhaftigkeit und das Spontane macht das Leben doch spannend. Man muss halt flexibel bleiben!

    Jupp, es ist an der Zeit, sich hier auszuklinken…

    Ben – der heute mal richtig entspannt aber dennoch müde ist (und pünktlich mit dem HVV zur Arbeit kam ^^).

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  12. reizzentrum
    Geschrieben am 04.02.2010 @ 13:40

    @Timur Ü.:

    Das einzige Defizit das der betreffende Freund hatte war, dass er es niemals lernte, dass es im leben auch Verluste und Schmerzen gibt. Er war ZU wohlbehütet. Wie behandelt man das?

    Egoismus oder nicht hätte diesen Menschen auch nicht gerettet. Was ist denn das Reziprok von Egoismus? Sozialverhalten?

    AntwortenAntworten
  13. reizzentrum
    Geschrieben am 04.02.2010 @ 13:43

    @Benjamin Hummel:

    Glaubst Du WIRKLICH dass ein Mensch, der sich massiv „im Dunkel“ befindet sich Gedanken darüber macht, das andere ihn vielleicht brauchen? Einerseits sagst Du, dass diese Menschen „in sich gefangen“ sind, andererseits dass man sie eben doch erreichen kann. Kniffliger, schmaler Grat.

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  14. Claudia
    Geschrieben am 04.02.2010 @ 15:00

    @Benjamin Hummel:
    Zitat: Wen hast Du lieber? Sich-vor-die-Bahn-Werfer oder Amokläufer? Such es Dir aus.

    Ähh?!?! Keinen von beiden!
    Aber wenn die beiden, deiner Meinung nach, tatsächlich auf derselben Ebene stehen, dann ist Mitleid noch weniger angebracht, als jetzt schon.

    Und Berufsrisiko? Sagst du das auch einem Bahnfahrer, der gerade neben der Leiche eines Selbstmörders hockt und nicht weiß, wie er das verarbeiten soll?

    Wenn jemand sich unbedingt umbringen will, dann soll er das meinetwegen tun, aber der Lokführer kann mit Sicherheit nichts dafür, dass er sich so elend fühlt. Einen Abgang mit lautem Knall für Freunde und Verwandte schafft man auch ohne die halbe Welt mit reinzuziehen.

    Warum man Rücksicht auf die aderen nehmen soll, auch wenn die das nicht taten?
    Punkt 1: Ich glaube nicht, dass jeder Selbstmörder vorher tatsächlich allein war. Er hat mit Sicherheit den Rückhalt gehabt, den andere geben können, nur reicht das manchmal eben nicht aus. Oder willst du behaupten alle Eltern, Ehepartner und Freunde von Selbstmördern hätten denjenigen in den Tod getrieben? Wohl kaum!
    Punkt 2: Ich halte es einfach und sage nur: goldene Regel. Nur weil andere sich falsch verhalten, ist das keine Entschuldigung, selbst ebenfalls Mist zu bauen. Die Metapher von der Brücke wäre in dieser Diskussion wohl unangebracht, aber passend.

    AntwortenAntworten

  15. Benjamin Hummel
    Geschrieben am 05.02.2010 @ 05:54

    Der Antagonist von Egoismus ist Altruismus.

    Ben – der sich wundert, was man so alles im Biologie-Leistungskurs an der Schule FÜRS LEBEN lernt. ^^

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