Tuedelkram

Über den Sinn und Unsinn des Lebens

Mobiltelefonieren gegen Rassismus

Gepostet am 08.01.2010 um 18:07 Uhr | 5 Kommentare Geschrieben von reizzentrum |

Normalerweise bin ich ja auch etwas angenervt, wenn im Bus – typischerweise von Tee-Nagern – mittels Mobiltelefon die Details der letzten Nacht durch den Bus geschrieen werden. Heute allerdings musste ich mich auf die Seite der Telefoniererin stellen. Was war passiert:

  • Ort: Ein knallvoller Bus des öffentlichen Nahverkehrs in Hamburg
  • Zeit: Berufsverkehr

Eine Frau (irgendwas zwischen 40 und 50, sehr gepflegtes Äusseres)  südeuropäischer Herkunft scheint via Mobiltelefon Krisenbewältigung zu betreiben. Sie schreit nicht, spricht aber – typisches Verhalten wenn die Umgebung (hier Bus) laut ist – etwas lauter als man Zuhause telefonieren würde.  OK, ist generell störend, aber da kann man mal drüber hinweg sehen. „Muss man aber nicht“, dachte sich eine Frau (deutsch, ca. 60, ungepflegtes Äusseres) und fing an die telefonierende Frau zu bepöbeln. Erst ganz sachte – aber LAUT – „Man, das nervt total dass die Leute im Bus immer telefonieren müssen“. An der Stelle war ich emotional noch bei ihr – was sich aber sehr schnell änderte. Als nächstes kam von ihr nämlich: „Wenn Du nicht sofort aufhörst zu telefonieren haue ich dir aufs Maul. Geh doch wieder dahin wo Du herkommst, Du hast hier nichts zu suchen“. HALLO? An dieser Stelle wandte ich mich ab – und zwar massiv. Kurze Überlegung was man machen könne, um der pöbelnden Frau ihre Schranken aufzuzeigen. IDEE!

Ich griff in meine Jackentasche und rief meine Prinzessin an. Da sie wusste dass ich eh gleich Zuhause sein werde, war sie recht verwundert über den Anruf. also erklärte ich ihr LAUT UND DEUTLICH warum ich sie nochmal anrufe: „Ich prüfe gerade, ob diese pöbelnde Frau hier im Bus ihre rassistischen  Pöbeleien auch raus lässt wenn ein Deutscher telefoniert, oder ob sie das Telefonieren nur stört, wenn dies Ausländer tun“.

Ihr werdet es erraten haben: Natürlich wurde ICH nicht angemacht. Meine Prinzessin äusserte sowas auch sogleich am Telefon: „Bei dir traut sich keiner was zu sagen, so wie Du aussiehst“.

Ende vom Lied war: Es hat nicht viel gefehlt und ich hätte Szenenapplaus bekommen. Strahlende Gesichter alle Umstehenden, die meine Aktion als gut beurkundeten. So einfach kann es sein mit ein wenig Kreativität den Hirseln Paroli zu bieten.

pixelstats trackingpixel

Kommentare

5 Kommentare zu “Mobiltelefonieren gegen Rassismus”

  1. Tagebuch 2.0 (beta) » Blog Archive » Linksammlung vom 4. Januar bis 8. Januar
    Geschrieben am 08.01.2010 @ 19:03

    […] Mobiltelefonieren gegen Rassismus : Tuedelkram – (articles rassismus telefon ) […]

  2. Kuschelpunker
    Geschrieben am 08.01.2010 @ 21:14

    eine richtige klasse idee! da muss man auch erstmal drauf kommen. ich hätte der pöbelnden frau wohl eher gesagt, dass SIE wieder da hin gehen soll wo sie herkommt, aber deine idee ist definitv besser. von mir hättest du bestimmt szenenaplauss bekommen!!!!

    AntwortenAntworten

  3. Silke
    Geschrieben am 12.02.2010 @ 14:53

    He, das find ich total super von dir das du das gemacht hast! Denn, das eine (telefonieren im Bus) und das andere (Ausländer zu sein) hat nichts miteinander zu tun. Da sieht man wiedermal das manche Menschen einfach nicht wissen was sie sonst pöbeln können und sie greifen einfach auf das einfachste zurück Herkunft oder Aussehen. Aber echt eine Super-Aktion!

    AntwortenAntworten

  4. reizzentrum
    Geschrieben am 12.02.2010 @ 15:01

    @Silke:

    Grüsse mal deinen Arbeitskollegen Christian

    AntwortenAntworten
  5. Pete
    Geschrieben am 26.03.2010 @ 22:31

    Es ist mir auch schon öfter zu Gesicht gekommen, dass Leute angepöbelt werden, wenn sie in der Öffentlichkeit zum Beispiel in der Straßenbahn telefonieren. Ich finde es wirklich sehr nervig, wenn Teenager laut Musik hören oder Telefonieren, aber trotzdem habe mich nie persönlich beschwert. Manchmal muss ich in der Menge auch schnell Telefonieren, deswegen bitte ich dann auch um Rücksicht.

    AntwortenAntworten

Sag deine Meinung dazu





Kommentarlinks könnten nofollow frei sein.