Tuedelkram

Über den Sinn und Unsinn des Lebens

Tussencontent

Gepostet am 16.11.2009 um 11:35 Uhr | Kein Kommentar Geschrieben von Atomality |

Ein bißchen irreführend ist die Überschrift schon, denn selbstverständlich darf jeder gepflegte Mann gerne folgende Zeilen lesen. Sofern er ebensolche Harry-Potter-Haare hat wie ich, ist das Lesen sogar ein Muss.

Ausgangslage

Katja hat von Natur aus strubbelige Haare, die sich gerne nach einem Regenguss zu Schweineschwänzchen kräuseln. Nun weiß ja jeder, dass es hier in Hamburg niemals oder verschwindend selten regnet. Dafür kämpft man mit der enorm hohen Luftfeuchtigkeit. Im Klartext bedeutet das: Ich verlasse morgens kurz vor acht mit leicht gewelltem Prachthaar das Haus, um dann im spiegelnden Fenster der S-Bahn zu erkennen, dass die Konturen meines Hauptes an eine aufgeplusterte Henne erinnern. Im Büro führt mich mein erster Weg in die Damentoilette (Händewaschzwang, NOCH nicht Blaseninkontinenz). Das freundlich-schmeichelnde Neonlicht enthüllt jede Wahrheit. Und so starre ich häufig fassungslos auf mein Spiegelbild und bewundere staunend die mittlerweile braune Schambehaarung, die meinen Kopf ziert. Ja, genau so kann und muss man es beschreiben. Die vielen unterschiedlichen Längen meiner Haare zwirbeln sich auf und legen sich wie ein verzauseltes Netz über den müden Rest.

So kann mein Leben natürlich nicht weitergehen, wie wohl jeder nachvollziehen kann.

Idee

Als interessierte Verbraucherin stoße ich im Fernsehen auf eine Produktbewerbung, die mein Interesse weckt. Das Wundermittel nennt sich Glatt-Seidig und ist von einem bekannten französichen Haarpflegekonzern entwickelt worden. In gleißendem Gold prunkt es auf der Mattscheibe, daneben eine Frau mit wunderbar photshoppiertem Glanzhaar. Und was das Produkt nicht alles verheißt: Anti-Frizz (neudeutsch für gegen Kräuseln), Anti-Statisch und dazu noch seidiger Schimmer. Ja, wunderbar. Alle meine Haarprobleme mit einem Pumpspray zerstäubt!

Test

Ich zögere natürlich keinen Augenblick und eile in die nächstgelegene Drogerie, glattes, schimmerndes Haar vor Augen. Nie wieder die Frau mit der Muschifrisur!! Der Wunschtraum jeder Frau, das perfekte Haar, scheint zum Greifen nah. Ich suche die Regale nach der glückverheißenden Goldflasche ab. Kein leuchtender Strahl weißt mir den Weg. Stattdessen finde ich eine eiergelbfarbene Plastikflasche, die dem Produkt aus der Werbung ähnelt. Ohne Zögern greife ich zu.

Schauen wir uns an, was uns der Verpackungsaufdruck Glauben machen will:

  • diszipliniert und glättet das Haar, ohne es zu beschweren
  • schützt vor unerwünschtem Kräuseln und elektrischer Aufladung
  • sorgt für seidig-glänzendes Haar voller Leichtigkeit

Sofort erkennt man, dass mit dieser Zusammenfassung all meine Probleme beschrieben sind.

Am nächsten Morgen ist es soweit. Mein Haar ist nach dem Schlafen noch wild, wird aber sogleich diszipliniert werden! Dank meiner Kakao-Explosions-Spülung eines anderen Haarmittelherstellers glänzt es und fliegt auch nicht. Aber, ich befinde mich ja noch zuhause. Dieser Zustand ändert sich quasi mit Tritt vor die Haustür.

Ich sprühe also das Wundermittel auf. Erster Effekt: Mein leicht kämmbares Haar lässt sich nicht mehr leicht kämmen, sondern quietschend reißen. Naja, muss wohl so sein. Zweiter Effekt: Der schöne glatte Glanz verstumpft. Gut, das sieht vielleicht nur vor dem Spiegel so aus.

Besprüht verlasse ich das Haus und suche meine Arbeitsstätte auf. Wieder der Gang ins Damenklo.

Was ich dort im Spiegel erblicke, lässt mich erstarren. Meine Frisur erinnert an schlimmsten 70er-Jahre Porno! An das Kind von Fozzie-Bär und Boomer, dem Streuner! An Rudi Völler und Katja Burkhardt! An Katzengewürg und dürftiges Vogelnest!

Den schlimmsten Schaden behebe ich mit Handcreme, die ich mir in die Haare schmiere, um sofort zu unterbinden, mich zum Gespött im Kollegenkreis zu machen.

Fazit

Wer ein stumpfmachendes Kräuselspray sucht, das die Haare verfilzt, hat sein Traumprodukt gefunden. Ansonsten: Es mag auch an meinen merkwürdigen Haaren liegen, aber dieses Spray zeigte mir nicht einmal Null-Effekt, sondern den „Genau-Anders-Effekt“.  Schenke ich ansonsten Pflegeprodukte, die mein Körper nicht so akzeptiert oder nicht mehr braucht (z.B. die gesamten Blondpflegemittel), meiner „Stieftochter“, so weigere ich mich bei diesem Produkt. Das wäre ja direkt ein Danaergeschenk.

Und in Zukunft greife ich auf den Trick mit dem Lenor-Trocknertuch zurück, um fliegendes Haar zu bändigen.

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