Tuedelkram

Über den Sinn und Unsinn des Lebens

Der Hartz-IV „Jack in the box“

Gepostet am 23.10.2009 um 16:57 Uhr | 4 Kommentare Geschrieben von reizzentrum |

Manchmal glaubt man ganz gewöhnliche Dinge zu tun und es erweist sich, dass man die Vergangenheit nicht los wird. Die Vergangenheit klebt an einem.

Als ich – vor Jahren – meine Bank betrat um dort zu erklären: „Ab sofort bin ich nicht mehr selbstständig: Geschäftskonto schliessen und stellen Sie sich darauf ein, der nächste Zahlungseingang erfolgt durch die Arge“ setze ich diverse Automatismen in Gang:

  • Löschung des Dispositionkredits
  • Einzug der Kreditkarten
  • Verlust der Bezeichnung „Ernstzunehmender Kunde“

All das geschieht in Sekundenbruchteilen, nachdem der freundliche Bankberater im Standardjacket die Veränderungen geistig erfasst hat.

Das ist zwar Jahre her, war aber doch einigermassen traumatisch, wenn man vorher deutlich ausreichende Kontodeckung hatte und das einzige Problem der Bankberater war, dir irgendwelche Geldanlagen aufzudrücken: Sie müssen sich Gedanken um Geldanlagen machen(mit denen WIR das Einkommen unserer Bank erhöhen…)

Aber das ist lange her. Seit fast 2,5 Jahren habe ich wieder ein geregeltes, ausreichendes Einkommen, die Hartz-IV Zeit liegt hinter mir – dachte ich bis heute.

Ich beabsichtige mit meiner Prinzessin nach Frankreich zu reisen. Nichts grosses, aber ein paar Tage Südfrankreich haben wir uns verdient. Zumal es deutlich Zeit wird, dass die Mutter der Prinzessin mich endlich mal kennen lernt. Zu diesem Behufe machte ich heute etwas früher Feierabend um den Antrag für eine Kreditkarte zu stellen.

Mal ehrlich: Ist doch nichts Grosses. Da weist man sich aus, füllt man einen Antrag aus, unterschreibt diesen und wartet auf den Karteneingang auf dem Postweg. Ja denkt IHR! (Dachte ich auch …)

So einfach ist das aber nicht wenn in dem Zeitraum 3,5 -5 Jahre in der Vergangenheit Kontoabbuchungen mangels Deckung zurückgebucht werden mussten. DANN nämlich trägt ihr immer noch den Stempel: „VORSICHT! HAT NIX! – GEFAHR!“ auf euren internen Bankvermerken. Dann wird euch mitgeteilt, dass ein Herr „Spezialkundenbeauftragter und Kreditabschätzer“ diesem Antrag zustimmen muss und der ist gerade in einem Kundengespräch.

Da stand ich nun, wie Karl-Arsch. Aber ich denke lösungsorientiert und – nach zweimaligem erklären meinerseits – willigte der vorgeschobe Sachbearbeiter ein, meinen Antrag wenigstens entgegenzunehmen, damit ich nicht nochmal frühzeitig Feierabend machen muss um die Bankfiliale aufzusuchen. Etwaige Rückfragen – inklusive einer Absage „Du hast mal Hartz-IV erhalten, hau ab“ – kann man auch telefonisch klären.

Aber es geschehen Wunder! Herr „Spezialkundenbeauftragter und Kreditabschätzer“ war dann doch noch – direkt vor der Unterzeichnung – greifbar und ich bekam sowohl seinen Kreditkartensegen als auch eine Deckungshöhe, die ich in der Höhe gar nicht benötige.

Als ich die Bank verliess verspürte ich ein seltsames Hochgefühl. Erst nach kurzem in-mich-horchen stellte ich fest, dass ich wieder einen „Hartz-IV Jack-in-the-box“ gefunden habe und ihn besiegte. Ich habe wieder – nach 2,5 Jahren! – einen Teil der Altlasten hinter mir gelassen. Da sieht man mal, wie lange einem sowas anhängt.

Dennoch – wäre der Rucksackpapa mir heute begegnet: Die Frage Salz/Pfeffer wäre auch heute zu klären gewesen.

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Kommentare

4 Kommentare zu “Der Hartz-IV „Jack in the box“”

  1. kju
    Geschrieben am 24.10.2009 @ 01:28

    Zum Eingang: Mir ist nicht so ganz klar, warum Du der Bank sowas überhaupt gesagt hast. Außerdem scheinst Du bei einer miesen Bank zu sein. Bei mir sind auch schon Abbuchungen zurückgegangen, hat meinen Status bei der Bank aber nicht verschlechtert.

    Meine Kreditkarte habe ich sowieso nicht bei meiner Hausbank sondern bei der KarstadtQuelle Bank. Kostet nicht nur nichts, sondern schafft auch eine saubere Trennung, da die sich nicht einfach gegenseitig über meine Finanzen austauschen dürfen. Zudem jetzt gesehen: Bei dem DKB Konto mit der kostenlosen VISA-Karte bekommt man ohne jeglichen Gehaltsnachweis einen Dispo über 1000 EUR.

    Kurz gesagt: Man muß sich heute von Banken solche Frechheiten nicht mehr gefallen lassen. Es gibt Alternativen.

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  2. reizzentrum
    Geschrieben am 24.10.2009 @ 02:25

    @Kju

    Zu einem „guten“ Geschäftsverhältnis gehört normalerweise auch eine gewisse Offenheit. In Norddeutschland wurde dafür AUCH der begriff hanseatisch geprägt. Ausserdem musste ich damals – aufgrund der Arbeitslosigkeit – einige „Parameter“ meiner Finanzen mit der Bank verändern.

    KarstadtQuelle? Das ist doch die, bei der gerade Datensätze abhanden gekommen sind? *gg* Im Ernst: Es ist weitgehend egal, bei wem man welche Bankgeschäfte macht – ALLES hat Vor- und Nachteile.

    Allerdings zeigte mir der bewilligte Verfügungsrahmen (welcher wahrlich großzügig bemessen ist), dass dort auch wieder ein goodwill erkennbar ist.

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  3. Fabian
    Geschrieben am 08.03.2010 @ 10:22

    Weiss nicht, wies euch geht, aber ich fühle mich bei der „good ol'“ sparkasse immernoch am wohlsten. der berater hat zeit, man wird auch mit weniger als 2000 euro monatseingang als kunde wahrgenommen und sie zocken nicht mit meinre geld, sondern vergeben kredite an die lokale wirtschaft (als einzige zur zeit!). da zahl ich auch gerne 5 euro im monat für.

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  4. Sasha
    Geschrieben am 18.06.2010 @ 03:58

    @Fabian, Sparkasse mache ich mittlerweile einen riesen Bogen drum. Ich erinnere mich noch verdammt gut als ich bei denen mein Konto eröffnet habe was die mir alles aufquatschen wollte, Versicherungen hier, Sparvertrag da und am besten noch irgendwelches nicht vorhandenes Geld da anlegen. Zu dem Zeitpunkt war ich allerdings Arbeitslos, denen aber egal, man kann es ja mal versuchen.
    Mittlerweile lebe ich zum Glück im Ausland, da interessiert die Banken deine Vergangenheit reichlich wenig. In Deutschland wurde trotz 3,000 Euro Gehalt, altlasten die Stück um Stück abgezahlt wurden und danach noch immer 1,500 Euro übrig waren haben die bei einem simplen Handyvertrag rumgesponnen.
    Kann daher dieses wohlgefühl wieder eine Last losgeworden zu sein absolut nachvollziehen und wünschen das es nicht noch mehr davon gibt.
    Grüße

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