Tuedelkram

Über den Sinn und Unsinn des Lebens

Gleich frisst Du Deinen Rucksack

Gepostet am 22.10.2009 um 19:25 Uhr | 5 Kommentare Geschrieben von reizzentrum |

Vorweg: Auch wenn ich nicht so aussehe, bin ich ein äusserst friedliebender Mensch. Was ich aber so nicht verknusen kann ist, wenn ich verarscht werde oder wenn ich prsönlich mit asozialem Verhalten penetriert werde. DANN krieg ich Puls und werde deutlichbis sehr deutlich.

Vorhin wurde ich sehr deutlich.

Was war passiert: Es fing damit an, dass „mein“ Gleis des Hauptbahnhofs mit Menschen überfüllt war als wenn jemand eine Dose aufgemacht hätte. Brechend voll. Die von mir benötigte S-Bahn stand bereit, aber an ein einsteigen war keineswegs zu denken, da vor jedem Einstieg mindestens 5-15 Personen standen, die definitiv nicht mehr hineinpassten. SOWAS lässt mich kalt. Die nächste S-Bahn kommt bestimmt, dauert nicht lange und ich habe ein Buch dabei – so what? Ich blieb ruhig. Die nächste nutzbare S-Bahn fuhr ein – gleiches Bild. Bei Einfahrt VOLLbesetzte Züge haben nur geringe Aufnahmekapazität, wenn nur eine unbedeutende Anzahl Fahrgäste aussteigt. Ich blieb ruhig. Die nächste Bahn wird kommen. Auf Massenmenschenhaltung stehe ich nicht, meine masochistische Ader ist deutlich unterentwickelt. Aber es war der Zeitpunkt die Prinzessin zu informieren, dass ich später Zuhause auftauchen werde. Ich mache es kurz: Das Spiel mit den übervollen Zügen wiederholte sich noch drei mal, bevor ich einigermassen gescheit (und ohne Klaustrophobie) eine S-Bahn in Richtung Heimat benutzen konnte.

Am Umsteigebahnhof passierte was oft passiert: Man kommt die Treppe hoch und egal mit welcher Geschwindigkeit man auf den wartenden Anschlußbus zusprintet: 2 Meter bevor Du an der Tür bist… schliesst selbe sich und der Bus fährt los. Wobei der Busfahrer NIEMALS in Richtung Tür schaut. (Dieses ignorante Verhalten kennt man sonst nur von Kellnern). Ich blieb ruhig. Ich habe immer noch mein Buch dabei und der nächste Bus fährt GANZ sicher – auch wenn es mittlerweile anfing zu regnen. Egal.

Auch hier erwähne ich nur nebenbei, dass der nächsterscheinende Bus überquoll. Der Übernächste war dann OK. Ich stieg ein und direkt neben mich stellte sich ein etwa gleichaltriger Mann, einen halben Kopf grösser als ich und mit einem ca. 1m hohen, prall gefüllten Rucksack auf dem Rücken. Seine beiden Töchter (ca. 6 und 10 Jahre alt) standen vor ihm. Ich weiss, dass die Kontrolle über einem – ordnungsgemäss auf dem Rücken getragen – Rucksack sowohl schwierig ist, als auch eine gewisse Übung erfordert. Mein Busnachbar machte mir sehr schnell klar, dass er diese Übung nicht besass: Schon als wir unsere Plätze fanden, rammte er mir sehr kräftig seinen Rucksack in die Seite. Ich liess ihn ein paar Sekunden gewähren, bevor ich Gegendruck aufbaute. Seine Reaktion: Er blickte mich an. Ich blieb ruhig. Der Bus war leider ziemlich voll, ein anderer Stehplatz war nicht wirklich verfügbar. Und auf den Schoss lassen die Busfahrer einen eher nicht. Seine – leicht links von ihm stehende – Tochter sprach den Rucksackvater an – RUMMS: Er knallte mir seinen Rucksack in die Seite. Wer schon mal eine umfallende Schrankwand mit der Schulter auffing, weiss wie ich mir vorkam. Ich blieb ruhig. Ich baute Gegendruck auf – er schaute in meine Richtung.

Nachdem er mir noch 2x den Rucksack an den Körper ballerte blieb ich nicht mehr ruhig: Ich blaffte ihn an: „Wenn Du mich mit deinem Scheissrucksack noch einmal anrempelst, frisst Du Deinen Drecks-Rucksack“. Seine Tochter schaute mich mit RIESENgrossen Augen an – er schaute mich mit RIESENgrossen Augen an. Ergebnis seiner Abschätzung muss wohl die Erkenntnis gewesen sein, dass er nur zwischen Salz und Pfeffer hätte wählen können: Essen wird er ihn bei weiterem Fehlverhalten. Seine Tochter wird – und da tut er mir jetzt tatsächlich ein wenig leid – sich von dem Gedanken verabschiedet haben, dass Papa gross und stark ist und sie vor jeder Gefahr beschützen kann: Kann er nicht.

Also: Wenn das Reizzentrum in eurer Nähe ist und ihr den Respekt eurer Kinder weiterhin verdienen wollt: Knallt mir nicht wiederholt euren Rucksack in die Knochen. Kann ich nicht mit um. Einmal ist keinmal. Auch zweimal kann passieren. Merkt euch: Bei der dritten Wiederholungstat eures ignoranten, asozialen Verhaltens platzt auch einem ausgeglichenem Menschen wie mir der Kragen.

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Kommentare

5 Kommentare zu “Gleich frisst Du Deinen Rucksack”

  1. Zotty
    Geschrieben am 22.10.2009 @ 22:55

    U made my day!

    Märzi Buko!

    AntwortenAntworten

  2. reizzentrum
    Geschrieben am 22.10.2009 @ 23:16

    @Zotty

    Danke.

    Nachrag: Als ich wieder Zuhause – bei meiner Prinzessin – war, war ich wieder ganz ruhig 🙂

    AntwortenAntworten
  3. Der Hartz-IV “Jack in the box” : Tuedelkram
    Geschrieben am 23.10.2009 @ 16:57

    […] – wäre der Rucksackpapa mir heute begegnet: Die Frage Salz/Pfeffer wäre auch heute zu klären gewesen. Kategorie: Das […]

  4. trommelschlumpf
    Geschrieben am 26.10.2009 @ 09:01

    Wenn ich sowas lese bin ich froh auf dem flachen Land zu leben und die Option der öffentlichen Verkehrsmittel gar nicht erst zu haben. Mir reicht das einmal im Jahr zur CeBit im völlig überfüllten Zug sitzen.

    Mein Auto ist niemals überfüllt, Leute mit Rucksäcken auf dem Rücken kommen nicht rein und es wartet immer brav auf mich…

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  5. emathion
    Geschrieben am 27.10.2009 @ 20:49

    Also:
    wenn ich Dich heimsuche, werde ich wohl das Mitführen von Rucksäcken im Hinblick auf meine eigene Gesundheit auf ein Mindestmaß reduzieren… 😉

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