Tuedelkram

Über den Sinn und Unsinn des Lebens

Das Vater-Gen

Gepostet am 27.08.2009 um 13:57 Uhr | 8 Kommentare Geschrieben von reizzentrum |

Wer von unserer geneigten Leserschaft Kinder hat, kennt das asbach-uralte Problem, dass Eltern ihren Kindern immer wieder etwas verbieten (wollen). Wer kennt sie nicht: Endlose Diskussionen mit den Argumenten „Der/die darf  das auch“,  „Das ist modern“ oder ähnliches von Seiten der Sprösslinge und dem „Ich will das nicht“ auf unserer Seite. Meisten versuchen wir unseren Kindern sogar sehr detailliert zu erklären, warum wir gegen diese Bestimmte Sache/Verhalten sind. Aber nicht alles ist vernunftbetont zu erklären.

Mit meiner grossen Tochter fand ich vor Jahren einmal eine Erklärung für das elterliche Verhalten, die freien Entscheidungen der Kinder einzuschränken: Ich habe das Vatergen! Dieses Vatergen ist dafür verantwortlich, dass ich in der Lage bin, mir Sorgen um meine Kinder zu machen. Ich möchte Sie nicht einengen sondern beschützen (und ich hoffe meine Kinder fühlen sich nicht eingeengt). Manchmal ist eben das Vatergen dafür verantwortlich, dass ich versuche Verhalten zu unterbinden, welches von den Kindern als „normal“ oder angezeigt eingestuft wird. Wenn wir (meine Kids und ich) mal wieder so einen Fall haben (was selten genug vorkommt), erwähne ich das Vatergen, beide Parteien lächeln und versuchen einen für beide Seiten gangbaren Kompromiss zu finden.

Manche Eltern scheinen dieses Vatergen allerdings nicht zu besitzen. Anders ist es mir absolut nicht erklärlich, wie ein Vater seiner 13-Jährigen Tochter erlauben kann SOLO eine Weltumseglung anzutreten. Sorry, aber das hat für mich nicht mit freier Entfaltung der Persönlichkeit zu tun. Wenn an der Stelle das Jugendamt versucht den Eltern das Sorgerecht zu entziehen, so hat dies meine Unterstützung. Wir Eltern haben nicht nur eine Aufsichts- sondern vor allem auch eine Fürsorgepflicht. Wir haben dafür zu sorgen, dass unsere Kinder keinen übermässigen Gefahren ausgesetzt werden. Und bei allem Vertrauen in Jugendliche, eine 13 Jährige halte ich nicht für befähigt, die Gefahren einer Solo-Weltumsegelung abzuschätzen. Mit Glück mag sie es bewältigen, aber ich darf als Verantwortlicher mein Kind nicht von Glück abhängig machen.

Bin ich überfürsorglich? Autoritär? Was meint meine Leserschaft?

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Kommentare

8 Kommentare zu “Das Vater-Gen”

  1. Kuschelpunker
    Geschrieben am 27.08.2009 @ 14:52

    da ich dich und den umgang mit deinen kindern schon seit langem kenne, kann ich weder von überfürsorglichkeit noch von übermäßigem autoritärem verhalten sprechen.

    die aktion mit der weltumseglung is harter tobak, ich würd das meiner tochter – sofern ich eine hätte – definitiv nicht erlauben!

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  2. Claudia
    Geschrieben am 28.08.2009 @ 16:38

    Ich halte es definitiv nicht für überfürsorglich einer 13-jährigen solch einen Trip zu verbieten. Aber die Kommentare unter dem Bericht sprechen ja auch Bände.
    Die Kleine und ihre Eltern argumentieren mit ihrer Freiheit, aber der Grund für den frühen Aufbruch ist ein Rekord, nämlich die jüngste Weltumseglerin zu werden.
    Da kann wohl kaum mehr die Rede davon sein, dass die Weltumseglung selbst das größte Wunschziel ist. Wenn dem so wäre, könnte das Kind auch noch einige Jahre warten, oder mit den Eltern zusammen segeln.
    Sind die vielleicht zu feige für einen solchen Törn?

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  3. reizzentrum
    Geschrieben am 28.08.2009 @ 17:39

    @Claudia:

    Ich fürchte der wahre Grund ist Geltungssucht der Eltern, verbunden mit der gewissheit, dass man damit Geld verdienen kann.

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  4. Konna
    Geschrieben am 29.08.2009 @ 21:46

    Eine viel wichtigere Frage ist doch, wie viel denn da wirklich passieren kann. Irgendwelche größeren Gefahren bis hin zu Lebensgefahr wird man wohl ausschließen können, da solche Rekordversuche natürlich immer begleitet und beobachtet werden, inklusive Arzt usw. – Sicherheit sollte also kein Problem darstellen, denke ich.

    Ich finde man sollte da nicht vorschnell urteilen. Man muss das prüfen und Experten zu Rate ziehen. Und wenn es nun mal der große Traum das Mädchens ist, diesen Weltrekord zu erringen, dann würde ich als Vater AUCH darüber nachdenken, ob ich ihr diesen Traum wirklich nehmen möchte. Von der Seite sollte man es auch mal sehen.

    Es muss eben nur für alles gesorgt sein, dass wäre für mich (wäre ich ihr Vater) die Grundvoraussetzung, um es überhaupt in Erwägung zu ziehen, sie das machen zu lassen.

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  5. Reizzentrum
    Geschrieben am 29.08.2009 @ 22:57

    @Konna:

    Moin Konna,

    die von dir _vermutete_ Sicherheit exisitiert bei einer Einhand-Weltumseglung definitiv nicht. Es ist kein Arzt im Boot (Einhand…) und ein Begleitboot wird unmöglich die ganze Zeit mitfahren und die Reise absichern können. Es geht nicht um eine Überfahrt von Travemünde nach Dänemark sondern die mehrfache Überquerng längerer Ozeanpassagen, bei denen NIEMAND auch nur ansatzweise verlässlich die Wetterbedingungen voraussagen kann. Es ist sowohl eine körperliche, als aich eine psychische Prüfung. Und auf die ist ein 13 Jahre junges Mädchen – in dieser Form – typischerweise deutlich nicht vorbereitet.

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  6. Konna
    Geschrieben am 30.08.2009 @ 11:53

    Also ich erinnere mich, dass bei einer Durchschwimmung des Amazonas immer ein Begleitboot dabei war, allein um zu überprüfen, ob hier nicht geschummelt wird beim Rekordversuch. Und der Arzt, Sanitäter oder was auch immer kann ja im Begleitboot dabei sein. Mit Sicherheit ist so eines dabei.

    Ohne wirklich zu wissen, wie die Bedingungen sind, will ich mir nicht anmaßen, ein Urteil über die Sache oder die Eltern zu fällen. Auch kenne ich das Mädchen nicht, aber völlig unerfahren und untrainiert wird sie wohl nicht sein. Mag sein, dass sie sich übernimmt, aber das kann genauso Erwachsenen passieren. Gerade deshalb wird bei solchen Unternehmungen IMMER ein Begleitboot dabei sein.

    Zusammengefasst bleibt: Ohne zu wissen, wie genau das abläuft, kann man sich meiner Meinung nach kein fundiertes Urteil bilden.

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  7. Reizzentrum
    Geschrieben am 30.08.2009 @ 12:02

    @Konna:

    Zwischen einer Amazonas- und einer Atlantikquerung besteht ein winiziger Unterschied. Lass es dir von jemandem mit ein wenig Segelerfahrung gesagt sein 🙂

    Google mal und lies etwas über dieses Thema – ist sehr interessant.

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  8. Christa
    Geschrieben am 14.09.2009 @ 14:30

    Vermutlich kann man solche komischen Ängste, die bestimmt auch unsere „Alten“ hatten, erst verstehen, wenn man selber ein Elter ist.

    Mit 13 Jahren auf so einen Tripp?
    Nie im Leben …
    Aber vermutlich bin ich dafür einfach nur zu sehr Glucke?

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