Tuedelkram

Über den Sinn und Unsinn des Lebens

Wenn Piraten tüdeln und Rechtsanwälte das Geld einstecken

Gepostet am 15.04.2009 um 15:25 Uhr | 2 Kommentare Geschrieben von reizzentrum |

Es gibt Meldungen, da glaubt man es wäre der erste April. Da klagt ein – von der deutschen Bundesmarine aufgegriffener – mutmasslicher Pirat aus Somalia gegen die Bundesregierung. Dies mag auf dem ersten Blick – auch nach meinem Rechtempfinden – absolut legitim werden.

Allerdings sollte bei solch einer Klage auch die Glaubwürdigkeit erhalten bleiben, immer nach dem Leitsatz: Wer einmal lügt, dem glaubt man nicht und wenn er auch die Wahrheit spricht.

Der Süddeutschen (und bestimmt auch anderen Medien) kann man über den muttmasslichen Piraten lesen, dass

Aufgrund dieser „unmenschlichen Unterbringung“ könne sein Mandant „lebensbedrohliche Krankheiten“ bekommen und sich zudem mangels Bestellung von Pflichtverteidigern in Kenia vor Gericht möglicherweise „nicht ordnungsgemäß“ verteidigen

Das muss man sich auf der Zunge zergehen lassen: Die mutmassliche Pirat beklagt sich darüber, dass er in Kenia keinen Pflichtverteidiger bekommt, aber er ist in der Lage “ Zwei deutsche Anwälte“ (Zitat Spiegel) mit einer Klage gegen die Bundesrepublik Deutschland zu beauftragen?

Liebe Rechtsanwälte: Hätte ihr das Argument mit der mangelnden Möglichkeit der Verteidigung nicht die Klageschrift aufgenommen, hättet ihr euch und eurem Mandanten sicherlich einen Gefallen getan. Ich schliesse mich der Einschätzung des Auswärtigen Amtes an (Wieder Spiegel-Zitat):

Das Auswärtige Amt (AA) wollte sich inhaltlich zu der Klage nicht äußern. Man warte die Zustellung gelassen ab. Intern sorgen die Anwälte, die in Mombasa persönlich für ein rechtsstaatliches Verfahren kämpfen wollen, für Unmut. „Um ihre Show abzuziehen und berühmt zu werden“, so ein Diplomat, „gefährden die Anwälte einen ordentlichen Prozess.“ Er betonte, dass die Verdächtigen durch einen lokalen Anwalt vertreten würden. Viel mehr könne man aus deutscher Sicht nicht tun. Den Klagen hingegen gab man nicht viele Chancen auf Erfolg.

pixelstats trackingpixel

Kommentare

2 Kommentare zu “Wenn Piraten tüdeln und Rechtsanwälte das Geld einstecken”

  1. Es gibt da so Rechtsanwälte … | Reizzentrum
    Geschrieben am 17.04.2009 @ 10:55

    […] Gefühl habe, sie haben ein Näschen für Publicity-Fälle. Oliver Wallasch ist der Anwalt, der die Klage der mutmasslichen somalischen Piraten gegen die Bundesregierung […]

  2. Sven
    Geschrieben am 27.04.2009 @ 08:04

    Interessant ist es auch schon, dass man zwar „mutmaßlich“ Straftaten in einem Land begeht, über dessen unmenschliche Unterbringung im Entdeckungsfall man durchaus informiert sein sollte und es dann noch so hinstellt als wenn die Geschädigten dieses zu verantworten haben.

    Ich glaube nicht, dass sich selbst aus Kenia das Rechtssystem so verdrehen lässt. Ansonsten werde ich auch Pirat.

    AntwortenAntworten

Sag deine Meinung dazu





Kommentarlinks könnten nofollow frei sein.