Tuedelkram

Über den Sinn und Unsinn des Lebens

Impotente Pelzmäntel und schlabbernde Lackflügel

Gepostet am 01.02.2009 um 11:15 Uhr | 1 Kommentar Geschrieben von Atomality |

Ich habe mich ja kürzlich hier ein wenig echauffiert, daß die großen und kleinen Designer dieser Welt uns Frauen der Lächerlichkeit preisgeben, wenn sie uns als Neutren mit verzwirbelten Staubwedelfrisuren, aufgemalten Bärten, brustfreien Oberteilen (niemals anstößig, da Modelbrüste durch Abwesenheit glänzen), 25cm-Stilettos, pinkfarbenen Kunstpelzhotpants und 20kg schweren, neongrünen Lackflügeln exemplarisch über den Laufsteg stolzieren lassen.

Gut, so KANN man natürlich morgens ins Büro wackeln. Und wenn man anstelle der ausgedienten Senk- und Hebebürostühle diese modernen Gummibälle als Sitzgelegenheit verwendet, stören auch die Flügel kaum. Bewußt sein muß einem natürlich stets, daß Haute Couture richtigerweise mit „totale Verarschung“ übersetzt wird und die Designer insofern – und das muß man neidlos anerkennen – ihr allerbestes geben.

Nun war es aber bisher so, daß Männer – in Ermangelung eines Gleichstellungsbeauftragten in der Modeszene – gnadenlos vernachlässigt wurden. Das hat sich nun in dieser Saison erfreulicherweise grundlegend geändert. Unverständlicherweise entfacht dies Empörung. Von Verweiblichung ist da die Rede, ja gar von Dekadenz! Da hat das penistragende Geschlecht jahrelang versucht, sich zu emanzipieren und nun, da die Erfolge in die Modezene getragen werden, wird angstvoll nachgefragt:

Zerstört der neue Schlabberlook die Männlichkeit?

Nun ja. Schlabbern tut der Männlichkeit niemals gut und sieht auch nicht so ansprechend aus. Das muß man schon zugeben. Gerade als Frau. Doch sollte man auch nicht die positiven Aspekte vergessen:

Sie (Anm: Die neue Mode) ist (…) die Chance für einen anderen Typ Mann: den viel zu lange verkannten Realisten. Ein Mann, dem der Erfolg, aber auch der Erfolgsdruck genommen ist; der seine Niederlage erkennt und etwas damit anfängt. (Quelle)

Die Mode der kommenden Saison ist damit nichts anderes als die Antwort auf die Wirtschaftskrise und zeigt, wie sehr die Designer am Puls der Zeit agieren: Seht her, ich bin ein Loser und zeige das auch! Und da Erfolg Macht bedeutet und Macht letztlich Potenz ist, könnte man auch sagen: Impotenz ist nichts mehr, was man mit Medikamenten bekämpfen muß, sondern der man nun auch modisch und selbstbewußt begegnen kann.

Bei so viel Realitätsnähe kann man ja nun wirklich nicht von Dekadenz sprechen! Und ich lege dann schon mal den königsblauen Plumpsackpelzmantel für das Reizzentrum bereit und poliere meine Lackflügel. Schließlich müssen wir ja beide morgen wieder arbeiten.

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Kommentare

Ein Kommentar zu “Impotente Pelzmäntel und schlabbernde Lackflügel”

  1. reizzentrum
    Geschrieben am 01.02.2009 @ 11:52

    Sollte ich mich JEMALS die Idee haben mich von meiner prinzessin trennen zu wollen, werde ich einfach diesen Artikel vorlegen. Wenn ein „königsblauen Plumpsackpelzmantel“ kein Trennungsgrund ist, was dann?

    Aber keine Bange, auch wenn die Gütige[TM]ab und an etwas von meiner Garstigkeit übernimmt, so schnell gebe ich sie nicht her.

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