Tuedelkram

Über den Sinn und Unsinn des Lebens

Bitte nicht nachmachen!

Gepostet am 26.01.2009 um 09:08 Uhr | 6 Kommentare Geschrieben von Atomality |

Soeben flatterte eine Bewerbung auf meinen digitalen Schreibtisch. Ich weiß, freilich auch aus eigener Erfahrung, daß Bewerbungen schreiben keine einfache Angelegenheit ist. Pro Bewerbungsschreiben (inkl. Lebenslauf und Anlagen) sollte man sich einen Tag Zeit nehmen und es möglichst von einem Freund oder Bekannten gegenlesen lassen, der rechtschreib- und grammatiksicher ist.

Ersteres, also Rechtschreibfehler, sind allerdings nicht so dramatisch, solange sie maximal zwei Wörter betreffen. Wobei man sich als Empfänger der Bewerbung schon fragt, wie jemand, der unter „Besondere Fähigkeiten“ von „ausgezeichneten Kenntnissen in MS Office, insbesondere MS Word“ spricht, nicht einmal weiß, wie die dort integrierte Rechtschreibprüfung funktioniert, sodaß Fehler wie bspw. „entspricht meinem Standart“ oder „ich kann mich provesoniell ausdrücken“ einfach nicht mehr passieren.

Grammatikfehler wiegen schwerer und schlechter Ausdruck forciert die Ablehnung. Es macht kein gutes Bild, wenn man sich mit folgenden Sätzen um einen Studienplatz bewirbt:

„Ich möchte gerne BWL studieren, weil ich Manager werden will. Ich finde, daß passt zu mir, weil wir im Leistungskurs ein Planspiel gemacht haben mit einer Übungsfirma. Ich habe dort den Einkauf gemacht und Leute entlassen. Das hat mir viel Spaß gemacht.“

Man wäre direkt verantwortungslos, würde man diesen Bewerber zum Studium zulassen.

Heute nun bewarb sich eine potentielle Neustudentin. Die Bewerbung als solche gehört zu denen, die man als „anspruchsvoller“ bezeichnen darf (man härtet sehr ab). Wären da nicht zwei böse Fauxpas.

Bitte niemals schreiben: „Ich mache mein Abitur voraussichtlich im April.“

Was darf man sich als Empfänger da vorstellen?

  • „Ich kann noch nicht abschätzen, ob ich es wirklich schaffe.“ oder
  • „Kann sein, daß ich im März irgendwie keinen Bock mehr auf Schule habe.“ oder
  • „Die Welt ist so unsicher, womöglich werden wir von Aliens angegriffen und mit Killerviren infiziert. Deshalb wage ich besser keine abschließende Prognose.“

In einer Bewerbung ist dummerweise wirklich jedes Wort von Bedeutung. Das sollte einem bewußt sein. Manchmal ist es auch vorteilhaft, Dinge zu verschweigen. Unfreiwillig komisch wirkt nämlich auch der zweite Fehler der Bewerberin:

„Meine Stärke ist das Durchsetzungsvermögen und der Umgang mit schwierigen Gesprächssituationen, die ich bereits als Jahrgangsstufensprecherin und Bierkönigin unter Beweis stellen durfte.“

Besser nicht nachmachen.

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Kommentare

6 Kommentare zu “Bitte nicht nachmachen!”

  1. trommelschlumpf
    Geschrieben am 26.01.2009 @ 10:04

    Hmm, Bierkönigin ist für mich schon ein erstrebenswertes Ziel für jedes Mädel! Quasi die Vorstufe zu „Schörnänies Näkst Toppmodel“.

    Hat irgendwie was. Zumindest besser als die „Kirschenkönigin“, dies bei uns gibt! 😀

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  2. juliaL49
    Geschrieben am 26.01.2009 @ 10:20

    Also den ersten hätte ich mit seinem „daß“ und „Standart“ mal ordentlich die Läwieten gelesen!

    Zur Bierkönigin: das voraussichtlich bezog sich bestimmt auf den Zeitpunkt (kann ja auch Mai werden) und die Formulierung fand sie sicherlich toll. So büssinäss-mäßig.

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  3. trommelschlumpf
    Geschrieben am 26.01.2009 @ 16:01

    Naja, schwierige Gesprächssituationen hatte sie als Bierkönigin garantiert: „Böööh, lallallallsabbertittensaufngeilblörk….“ Da muss man mit umgehen können. 😀

    Das härtet ab für das spätere Leben als Studentin!

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  4. Atomality
    Geschrieben am 26.01.2009 @ 18:58

    @trommelschlumpf: Naja, wenn die Bierkönigin aber die Fachrichtung Steuerwesen wählt und später als Steuerberaterin Deine Einkommenssteuererklärung bearbeitet, ist das womöglich nicht mehr so vorteilhaft.

    Ansich ist es ja nichts verwerfliches, Bierkönigin zu sein. Wenn man sich als Brautechnikerin bewirbt, womöglich sogar von Vorteil.

    @juliaL49: Das Schlimme ist, daß ich nicht einmal den worst case zitiert habe, sondern die entsprechenden Stellen entschärft habe.

    Und zum „voraussichtlich“: Naja, da frage ich mich, wo die Gute ihr Abitur macht. (Oder ist das heute nicht mehr üblich, daß man weiß, wann die Prüfungen abgeschlossen sind? Überraschungsabitur? *grübel*)

    @trommelschlumpf: Ja, mir wird die Zunge auch immer schwer, wenn ich ein paar Bier intus hab. 😀

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  5. Thearcadier
    Geschrieben am 26.01.2009 @ 21:56

    Vielleicht war einer der Lehrer auch alt und drohte abzukratzen, wer weiß.

    Auch geil ist der Satz: Da hab ich Leute entlassen. O Gott o Gott. Geiles Argument.

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  6. Atomality
    Geschrieben am 28.01.2009 @ 10:58

    @Thearcadier: Wobei gerade dieser Satz ja eigentlich dazu prädestiniert, Manager zu werden. Freude dabei zu empfinden ist schließlich wesentlich karrierefördernder als Mitgefühl oder gar Mitleid.

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